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Titel Patrick Bwele
Caption Patrick Bwele (78) has bilateral cataracts. He lives with his grandson in a hut in a rural area, 1, 5 hours cardrive away from Kitwe. He gets operated in Kitwe Central Hospital by Dr. Chileshe Mboni. Afterwards he can see. Es ist 8 Uhr morgens. Florence Mwansa steigt mit ihrem Team in den weissen Jeep, der sie heute in ein armes Viertel von Kitwe bringen wird: Bulangililo. Schon zwei Mal war das Outreach-Tem des KCH dieses Jahr dort. Trotzdem ist die Schlange vor der Gesundheitsstation inmitten des Viertels lang. Jeden Tag werden dort Patienten behandelt, die an Malaria erkrankt sind, Diabetes haben oder ihre kleinen Kinder zu Vorsorgeuntersuchungen bringen. Heute verwandelt sich einer der Raeume des langgestreckten Gebaeudes in einen Augenuntersuchungsraum. An den Waenden sind Sitzbaenke angebracht, in einer Ecke stehen ein zerkratzter Schreibtisch aus Holz und zwei ebenso alte Stuehle. Ein verblichener gruener Paravent sorgt fuer ein Minimum an Intimsphaere fuer die Untersuchung. Es riecht stark nach Desinfektionsmittel. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Medikamente, Salben, Augentropfen. Ganz vorne liegt eine grosse Taschenlampe: Florences wichtigstes Instrument. Hiermit kann sie gut erkennen, ob ein Patient Katarakt hat. Auch Patrick Bwele kommt zu Outreach. Sein Sohn bringt ihn mit dem oeffentlichen Bus und faehrt dann zurueck nach Hause. (Peters Version: Peter holt ihn mit dem Jeep der Klinik ab). Patrick ist sehr hilflos. Denn er ist nicht nur blind durch bilateralen Katarakt, sondern hoert auch noch sehr schlecht. Patrick hat frueher in einer Kupfermine gearbeitet. Heute lebt er in einem winzigen Haus, gemeinsam mit seinem Enkel Kevam (16, Sohn von Shadreck, aeltester Sohn Patricks). Das Haus steht auf einem Grundstueck, das seine neun Kinder fuer ihn gekauft haben. Sie wollen dort in den naechsten Wochen ein neues, grosses Haus bauen, in dem ein ganzer Teil der Familie Platz findet. Dazu haben die Kinder einen Termitenhuegel, der auf dem Grundstueck steht, ”žausgebeutet“, um aus der Erde Backsteine zu formen. Diese liegen schon aufgeschichtet bereit, um als naechstes von innen mithilfe eines Feuers gebrannt zu werden. Die Huette, in der Patrick derzeit lebt, ist fuerchterlich: nur ungefaehr 6x2 Meter gross besteht sie aus zwei winzigen Raeumen, in einem schlafen Enkel und Grossvater, im anderen findet nur ein selbstgeschnitzter Hocker und ein Stapel vergilbter Magazine Platz: Religioese Zeitschriften, die Patrick frueher mit Hingabe gelesen hat. Doch seit 11 Monaten geht das nicht mehr. Schon vor zwei Jahren erblindete Patrick auf dem linken Auge, nun auch auf dem rechten. Der Graue Star hat ihm das Augenlicht geraubt. ”žSeit er blind ist, sitzt er nur noch da“, erzaehlt Shadreck. ”žEr kann nicht mehr lesen. Das ist schwer fuer ihn. Denn er war ein begeisterter Leser der Bibel und aktueller religioeser Schriften. Er mag es gar nicht, jetzt nicht mehr auf dem neuesten Stand zu sein.“ Auch vorlesen klappt nicht, weil Patrick kaum etwas hoert. Stattdessen ist er nun voellig abhaengig von seinem aeltesten Enkel. Kevam geht morgens zur Schule, kuemmert sich aber den restlichen Tag um seinen Opa: Er kocht, fuehrt ihn zur Toilette und hilft ihm ins Bett. ”žEs schmerzt mich, meinen Vater so zu sehen“, sagt Shadreck. ”žFrueher hat er sich immer um die Familie gekuemmert, jetzt ist er so hilflos.“ Dann beugt sich Shadreck zu seinem Vater. Er moechte wissen, worauf sich Patrick vor allem nach der OP freut. Er muss mehrmals laut in sein Ohr rufen, bis er eine Antwort erhaelt: ”žIch werde gluecklich sein. Weil sehen zu koennen das ist, wofuer ich lange gebetet und geweint habe.“ Auch seine Familie freut sich schon auf Patricks Rueckkehr vom Krankenhaus: ”žDann feiern wir ein Fest!“, sagt sein Sohn. Im Outreach angekommen, laesst sich Patrick zum Screening fuehren. Er hat offensichtlich Angst vor jeden Schritt, taumelt langsam in seinen ausgetretenen Flipflops vorwaerts und tastet mit dem freien Arm staendig um sich herum auf der Suche nach einem Anhaltspunkt oder etwas zum Festhalten. Als er zum Arten auf einer Bank nahe der Aussentuer der Gesundheitsstation Platz nimmt, blinzelt er ploetzlich ueberrascht und schirmt dann seine Augen mit der Hand ab: Draussen ist die Sonne grell herausgekommen. Etwas, das fuer ihn, der nur hell und dunkel sieht, irritierend ist. In der Klinik angekommen, sinkt Patrick erleichtert auf sein Bett. Am naechsten Morgen ist er einer der Ersten, die operiert werden. Ob er Angst hat? Eine Schwester bruellt ihm diese Frage ins Ohr. Er schuettelt vehement den Kopf. Seine OP geht sehr schnell. Sie dauert nur 5 Minuten. Trotzdem ist es schwer fuer ihn. Er zuckt mehrmals zusammen und muss von den OP-Schwestern bruellend beruhigt werden. Danach heisst es warten. Denn das zweite Auge wird erst am naechsten Tag operiert (wieder von Dr. Chileshe Mboni. Post-OP-Screening am Tag nach der ersten OP: Patrick sitzt im Warteraum vor dem Untersuchungszimmer. Dort checkt Dr. Mboni mit der Spaltlampe sein Auge. Patrick wartet ruhig, mit geschlossenen Augen. Als morgens der Verband von seinem operierten Auge abgenommen worden war, hat er seinem Sohn erzaehlt, schon Farben sehen zu koennen. Auf dem Weg zurueck zum OP ueberholt ihn ein Mann. Patrick sagt: ”žDa war jemand. Ich habe ihn gesehen!“ Sein Sohn lacht gluecklich. ”žDas ist ein gutes Zeichen.“ Dr. Mboni im Wartezimmer vor dem OP, wo auch Ebi und Patrick sitzen: ”žFuer diese Patienten waere eine OP unbezahlbar. Tausende warten noch auf eine Kunstlinse. Um ihnen helfen zu koennen, sind wir auf die Spenden der CBM angewiesen.“ Morgen nach der 2. OP: Bei der Verbandabnahme haelt eine Schwester drei Finger vor Patricks Augen in die Hoehe: ”žWie viele Finger sind das?“, bruellt sie. Patrick blinzelt, dann hebt er langsam seine Hand und streckt drei Finger in die Hoehe. Alle lachen, klatschen. Jetzt breitet sich ein breites Laecheln auf Patricks Gesicht aus. Sein Sohn Shadreck holt eine Bibel aus seiner Tasche und drueckt sie Patrick in die Hand. Der tastet langsam das Buch ab, schlaegt es auf, faehrt mit den Fingern ueber die Seiten. ”žIch kann die Zeilen erkennen“, sagt er mit seiner leisen, bruechigen, heiseren Stimme. Immer wieder streichen seine Finger ueber die Seiten. Den Weg zum Untersuchungsraum meistert er ohne den stuetzenden Arm seines Sohnes. Er laeuft immer noch schlecht, schlurft dahin, aber er sieht, wohin es geht. Im Untersuchungsraum klettert muehsam, aber selbststaendig auf den leuchtend gelben Untersuchungsstuhl. ”žSein Sehvermoegen hat sich sehr verbessert“, sagt Dr. Mboni, der ihm zuschaut. ”žGestern brauchte er dafuer noch Hilfe.“ Mit Patricks Augen ist alles in Ordnung, er wird entlassen, soll aber in zwei Wochen zur Nachuntersuchung wiederkommen. ”žDann passen wir ihm auch eine Brille an. Das wird seine Sicht noch weiter verbessern“, sagt Dr. Mboni. Patrick ist immer noch ein alter, etwas tueddeliger Mann. Aber er klettert jetzt allein ins Auto und vor allem sehr flink wieder raus, als das Auto vor seinem Haus haelt. Dort begruessen ihn zwei seiner Toechter, Alice (die juengste; 19) und Batshembe (30). Die drei versinken in einer langen Umarmung. Dann befreit sich Patrick daraus und schaut seine Maedchen einen Moment lang einfach nur an, ihre Haende fest in seinen. Dann geht es weiter zum Haus seines aeltesten Sohnes Shadreck. Auch dort begruesst Patrick weitere Familienmitglieder, dieses Mal Enkel. Hinter dem Haus liegt Shadrecks Feld. Vielleicht kann Patrick dort bald ein wenig helfen. Er hat selbst jahrelang als Farmer gearbeitet. ”žMein Vater hat mir beigebracht, Farmer zu sein“, sagt Shadrech. Vorher war sein Vater Bohrer in der Kupfermine. Der Laerm, vor allem von den Explosionen, hat sein Gehoer so sehr zerstoert, dass er dort lange vor dem Rentenalter ausschied, um Farmer zu werden und so seine neun Kinder zu ernaehren., 2747955
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Aufnahmedatum 07.11.2015
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Bildname te91623
Bildgröße 4656px x 3099px, 39,40 cm x 26,20 cm (300 dpi)
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Ort Kitwe
Land ZMB, SAMBIA
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